Kaarel Siimut hat herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Umformtechnik erbracht. Im Rahmen seiner Industriepromotion an der Technical University of Denmark und bei Grundfos entwickelte er ein neuartiges, adaptives Werkzeug für das Abstreckziehen. Das Konzept ermöglicht die flexible Anpassung des Werkzeugdurchmessers während des Prozesses und verbindet innovative Werkzeugtechnik mit Sensorik und intelligenter Prozessregelung. Besonders hervorzuheben ist die konsequente Überführung der Entwicklung vom Laborprototypen in die industrielle Fertigung. Siimut integrierte das adaptive Werkzeug in ein bestehendes Folgeverbundwerkzeug und demonstrierte damit eine deutlich höhere Prozessstabilität, verbesserte Bauteilqualität und eine erhebliche Verlängerung der Werkzeuglebensdauer. Gleichzeitig eröffnet das Verfahren die Möglichkeit, den Schmierstoffverbrauch zu reduzieren und umweltbelastende Schmierstoffe zu ersetzen. Seine Arbeiten verbinden wissenschaftliche Tiefe mit außergewöhnlicher Umsetzungskompetenz und zeigen beispielhaft, wie aus einer wissenschaftlichen Idee eine unmittelbar nutzbare industrielle Innovation entsteht. Seine Forschungsergebnisse wurden in renommierten internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht. Sein Laudator, Prof. Nielsen ebenfalls von der DTU, lobte die Zusammenarbeit mit dem Preisträger seit dem Beginn der gemeinsamen Tätigkeit und zeigte sich von den außergewöhnlichen Leistungen beeindruckt.
Die Preisverleihung fand am 21. September 2026 im Rahmen des 59. Plenary Meeting der International Cold Forging Group (ICFG) am PtU in Darmstadt statt. In ihrer Ansprache würdigte die Vorstandvorsitzende der Karl‑Kolle‑Stiftung, Malin Gerhards, die lange Tradition des Preises, der seit 2011 alle drei Jahre weltweit ausgeschrieben wird und bereits an zahlreiche namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verliehen wurde. Die Stiftung erinnerte zudem an ihren Gründer Karl Kolle, einen Dortmunder Unternehmer, der sich zeitlebens für technischen Fortschritt und die Förderung junger Menschen engagierte. Seine Werte prägen die Stiftung bis heute: die Unterstützung von Wissenschaft und Forschung, die Förderung von Bildung und Erziehung sowie das Engagement für soziale Projekte. Die Karl‑Kolle‑Stiftung setzt sich dafür ein, die Technologieoffenheit in der Gesellschaft zu stärken und junge Menschen frühzeitig für MINT‑Themen zu begeistern – von der Kita über Schulen und freie Initiativen bis hin zur wissenschaftlichen Lehre. Die Vergabe des internationalen Karl‑Kolle‑Preises ist dabei die höchste Auszeichnung der Stiftung und würdigt Persönlichkeiten, die mit ihrer Forschung als Multiplikatoren wirken und Innovationen in die industrielle Praxis tragen.
Mit Kaarel Siimut reiht sich ein weiterer herausragender Wissenschaftler in die Liste der Preisträger ein – und die Stiftung freut sich, seine Arbeit und seinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Umformtechnik unterstützen zu dürfen.
Bisherige Preisträger des Karl-Kolle-Preises:
- 2023 Dr.-Ing. Till Clausmeyer; Technische Universität Dortmund
- 2020 Dr. Lechner, Michael; Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
- 2017 Nielsen, Chris Valentin; PhD, Technical University of Denmark
- 2014 Dr. Brenneis, Matthias; Technische Universtät Darmstadt
- 2011 Music, Omer; PhD, University of Cambridge